Bei Nokia Siemens Networks lassen die Beschäftigten, unterstützt durch eine Welle der Solidarität auch von Siemens, nicht nach im Widerstand gegen die Abbau- und Schließungspläne. Am Dienstag zogen rund 2.500 Münchner Beschäftigte um das Werksgelände, angeführt von einem Transparent mit der Aufschrift "Siemens, wir kommen".
Mitte Januar stellte die Osram AG Pläne vor, im Zuge der Konzentration auf neue Technologien "Kapazitätsanpassungen" vorzunehmen, im Klartext: 1.050 Stellen abzubauen. Seitdem wurde viel und zum Teil widersprüchlich über konkrete Details spekuliert - am Donnerstag gab das Unternehmen genaue Zahlen bekannt.
Bei Nokia Siemens Networks in München folgt eine beeindruckende Aktion der anderen: Nach einer Mahnwache am Dienstag zog sich am Mittwoch eine Kette aus rund 2.000 Menschen durch den gesamten Standort, um ihn vor der geplanten Schließung zu schützen.
In Leipzig haben am Montag über 200 Beschäftigte von Nokia Siemens Networks gegen die geplante Schließung ihres Standorts Flagge gezeigt. Für München sind unterdessen bereits zwei weitere Aktionen zur Wochenmitte angekündigt.
Die Pläne für massive Einschnitte bei Nokia Siemens Networks sorgen auch an den nicht unmittelbar betroffenen Standorten und außerhalb des Unternehmens für Unruhe und Solidarität. Belegschaften und Betriebsräte erklären sich über alle Grenzen hinweg solidarisch gegen den Kahlschlag.
Bereits einen Tag nach der "Horrornachricht" (SZ) über die Abbaupläne bei Nokia Siemens Networks reagieren die Belegschaften mit Protestaktionen. Allein in München versammelten sich rund 2.000 Beschäftigte nach einer Betriebsversammlung, um ihre Wut und Empörung öffentlich zu zeigen. Auch in Berlin, Bruchsal und anderen Standorten gehen die Beschäftigten auf die Straße.
Ende November 2011 hatte Nokia Siemens Networks den Abbau von 17.000 Stellen weltweit sowie zusätzliche Ausgliederungen angekündigt. Seitdem warten die Beschäftigten auf konkrete Zahlen - heute hat NSN sie bekannt gegeben. Bundesweit sollen demnach 2.900 Arbeitsplätze und 30 Standorte gestrichen werden, darunter der größte deutsche Standort München.
Unter der Überschrift "Umbau des Geschäfts" will Osram in den nächsten drei Jahren auf die vor allem technologisch bedingten Veränderungen im Lichtmarkt reagieren. Die wie üblich als "Anpassungen" bezeichenten Maßnahmen enthalten unter anderem den schrittweisen Abbau von 1.050 Arbeitsstellen.
Eine erfreuliche Nachricht für alle Eltern, die bei Siemens-Töchtern beschäftigt sind: Ihren Geschäftsleitungen wird seit vergangener Woche von der Arbeitsdirektorin persönlich nahegelegt, eine Übernahme der in der Siemens AG geltenden Regelung für einen Kinderbetreuungszuschuss ins Auge zu fassen.
Angesichts der besorgniserregenden Restrukturierungspläne für Nokia Siemens Networks haben die Siemens-Belegschaftsaktionäre sich an Vorstand gewandt. Sie fordern Siemes auf, sich der Verantwortung als 50-prozentiger Eigner seines ehemaligen COM-Bereiches zu stellen.
Mit gutem Beispiel voran: Die Geschäftsleitung der Siemens-Tochter Weiss Spindeltechnologie GmbH hat sich Anfang Dezember bei einer Betriebsversammlung spontan entschlossen, den in der Siemens AG per Gesamtbetriebsvereinbarung geregelten steuerfreien Kinderbetreuungszuschuss für ihre Beschäftigten zu übernehmen.
Die angekündigte Ausdünnung nimmt ihren Lauf: Nokia Siemens Networks hat am Montag bekanntgegeben, dass der Bereich für die Ausrüstung von Breitband-Festnetzen an das US-Unternehmen Adtran verkauft werden soll. Im Deal enthalten sind rund 400 Beschäftigte. Gesamtbetriebsrat und IG Metall warnen vor den Folgen eines immer schmaleren Portfolios.


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