25.10.2017/ SD
5 vor 12 bei Siemens

[Update 26.10., 11:30] Der Protest gegen die über die Medien verbreiteten Kahlschlagspläne ist vom Start weg ungewöhnlich intensiv – das Maß ist voll. Mehrere Standort forderten Siemens zu klarer Information auf, begleitet von einer Reihe Protestaktionen.

Symbolträchtiges Bild in Erfurt: Dunkle Wolken um 5 vor 12 über dem Generatorenwerk.

Tolle Teilnahme in Mülheim mit Abordnungen aus Duisburg und Essen.

Bis zum frühen Mittwochnachmittag gab es bereits Aktionen in Erfurt, Mülheim und Erlangen. Insgesamt beteiligten sich allein hier einige tausend Beschäftigte vermutlich bedrohter Standorte, unterstützt von Kolleginnen und Kollegen anderer Betriebe von Siemens und darüber hinaus. Auch die Politik auf kommunaler und regionaler Ebene ist vielerorts bereits alarmiert und stellt sich aktiv an die Seite der Belegschaften.

» In Mülheim folgten 1.200 Beschäftigte dem Aufruf, unterstützt von Kolleg_innen aus Essen und Duisburg. Kevin van der Wetering von der Mülheimer JAV brachte die Stimmung hinsichtlich etwaiger Probleme mit einem Zitat von Werner von Siemens auf den Punkt: "Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern mit den Augen die Tür zu finden."

» In Erlangen gingen rund 200 Siemensianer_innen auf die Straße, auch hier kam Unterstützung aus umliegenden Betrieben. Mit dabei war mit klaren Worten der Erlanger Oberbürgermeister Florian Janik, der sich gegen einen neuen Kahlschlag aussprach.

» In Erfurt wurde um 11 Uhr eine zusätzliche Betriebsversammlung fortgeführt, an der sämtliche zu diesem Zeitpunkt im Betrieb anwesenden Beschäftigung teilnahmen. Der Beginn erfolgte in der Fertigungshalle, dann führte ein Schweigemarsch bis vor das Werk. Dort wurde eine Uhr enthüllt, die symbolisch „5 vor 12“ anzeigte. Vor dem Tor standen Landtags- und Kommunalpolitiker aller etablierten Parteien. Schweigend verbrachte die Belegschaft des Werkes Erfurt vier Minuten mit akustischer Untermalung einer tickenden Uhr. Eine Minute vor 12 Uhr gaben die Vertreter der anwesenden Parteien ihre Statements zum Erhalt des Werkes sowie ihre Unterstützung zur Beschäftigungssicherung ab.

» In Berlin reagierten IG Metall und Betriebsrat im Dynamowerk, das ebenfalls auf die Streichlisten des Siemens-Vorstands geraten sein könnte, mit einer Unterschriftensammlung und einer hervorragend besuchten Betriebsversammlung. Der Betriebsratsvorsitzende Predrag Savic zitierte aus der Resolution der Vertrauensleute bei Siemens: "Wir fordern eine langfristige Strategie für den Standort Deutschland, der auf den Leistungen, Innovationen und der Kreativität der Beschäftigten basiert und diese Fähigkeiten auch nutzt."

» Auch in der Frankenstraße in Nürnberg fand eine gut besuchte Betriebsversammlung statt, in der die Beschäftigten über die drohende Gefahr und die Position von der Arbeitnehmervertretungen informiert wurde.

» Am Standort Offenbach K. gab es um 14 Uhr gleichfalls eine außerordentliche Betriebsversammlung, um alle Mitarbeiter auf einen gemeinsamen Informationsstand zu bringen. Gleichzeitig wurde die Unternehmensleitung aufgefordert, über ihre Pläne zu informieren. An einem IG Metall-Informationsstand wurde eine Unterschriftenaktion durchgeführt, parallel wurden die Beschäftigten nach Ideen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in Offenbach befragt.

» Bei der Siemens Compressor Systems GmbH in Leipzig wurden die rund 270 Beschäftigten ab zehn Uhr auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung informiert. Nach dem Ende folgte die komplette Versammlung dem Aufruf der Leipziger IG Metall und ging zu einer Kundgebung vors Werkstor.

» In Görlitz folgten über 600 Beschäftigte dem Aufruf zu einer Betriebsversammlung mit Information durch den Betriebsrats und die IG Metall. Als Gast sagte der designierte Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmar, den Beschäftigten die volle Unterstützung zu. Fast zeitgleich erreichte den Standort eine Grußbotschaft mit Solidaritätsbekundungen des Görlitzer Oberbürgermeisters Siegfried Deinege.


» aussagekräftiger als alle Zahlen sind die Bilder der Aktionen – fortlaufendes Update auf unserer Facebook-Seite!


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