08.03.2018/ SD
Alstom & Siemens: Beschäftigte für Arbeitsplätze und Industrie

Der Zusammenschluss von Alstom und Siemens Mobility schreitet voran. Interessenvertretungen und Gewerkschaften arbeiten auf europäischer Ebene daran, gute Perspektiven für die Beschäftigten zu sichern.

In einer gemeinsame Erklärung haben die beteiligten nationalen Gewerkschaften und Beschäftigtenvertretungen Anfang März den bisherigen Prozess bewertet und Forderungen formuliert. Parallel übermittelten sie diese an das Management des künftigen "europäischen Champions".

Nach der Fusion hoffen Siemens und Alstom auf Synergien von 470 Millionen Euro pro Jahr. Wie diese konkret entstehen sollen und was das für das Unternehmen und seine Beschäftigten bedeutet, ist allerdings noch weitgehend unklar. Bei einem Treffen Mitte Februar kritisierten Gewerkschaften aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich, Spanien, der Schweiz und Großbritannien die auch fünf Monate nach Ankündigung der Pläne herrschende Unsicherheit.

Ein Grund dafür ist der Mangel an Transparenz, was eine echte europäische Strategie für die Bahnindustrie und mögliche Folgen der Fusion betrifft. In Deutschland konnten Gesamtbetriebsrat und IG Metall auf Grundlage von "Radolfzell" eine vierjährige Sicherung der Arbeitsplätze und Standorte durchsetzen. Eine zwischen der französischen Regierung und Siemens getroffene Vereinbarung hingegen bleibt vertraulich, was Fragen zur Verbindlichkeit etwaiger Zusagen aufwirft, und: In keinem anderen der betroffenen Länder gibt es irgendwelche Garantien.

Die europäischen Gewerkschaften bei Alstom und Siemens Mobility treten daher nachdrücklich dafür ein, dass die Strategie der Unternehmen weder die Zukunft von Arbeitsplätzen und Standorten in Europa gefährden, noch Rechte der Beschäftigten untergraben darf. Über die soziale Verantwortung hinaus gibt es dafür auch wirtschaftliche Gründe, denn das Know-how der Beschäftigten ist entscheidend dafür, die Chancen des Marktes zu nutzen.

Als Fazit fordern die europäischen Gewerkschaften deshalb, alle Arbeitsplätze und alle Standorte in Europa durch schnelle Aufnahme von Verhandlungen zu sichern. Mit Blick auf viele Herausforderungen und den entsprechenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften fordern sie außerdem, die Innovationskapazität aller Standorte durch F&E-Programme, Investitionspläne sowie Fertigkeiten und Qualifikation der Beschäftigten zu stärken.

Um die industrielle Logik und Nachhaltigkeit der aktuellen Pläne nachvollziehbar zu machen, fordern sie zu guter Letzt Alstom und Siemens auf, den Arbeitnehmervertretern alle Informationen über das langfristige Projekt und seinen Ansatz zur Sicherung der künftigen Entwicklung beider Unternehmen zur Verfügung zu stellen. In diesem Zusammenhang unterstreichen sie, dass die europäischen Standards für den Sozialdialog und die Einbeziehung der Arbeitnehmer in strategische Entscheidungsprozesse einzuhalten sind. Dazu wird aktuell auch an der Gestaltung der künftigen europäischen Interessenvertretung auf Unternehmensebene gearbeitet.

Abschließend weisen IndustriAll und die europäischen Gewerkschaften auf die Notwendigkeit hin, schnellstmöglich eine ehrgeizige Strategie für die europäische Bahnindustrie umzusetzen, um Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklungsperspektiven zu stützen. Zugleich kündigen sie an, unter der Schirmherrschaft von industriAll Europe ihre Zusammenarbeit fortzusetzen und bei Bedarf weitere gewerkschaftliche Maßnahmen zu erwägen.


» Pressemitteilung bei IndustriAll Europe mit Links zu den Erklärungen auf Deutsch, Englisch und Französisch


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